Steuerhinterziehung

Ich verteidige Menschen wegen Steuerhinterziehung. Wenn eine Durchsuchung stattgefunden hat. Oder wenn sie von der Steuerfahndung eine Vorladung zur Vernehmung erhalten haben. Oder wenn eine Anklageschrift wegen Steuerhinterziehung zugestellt wurde bzw. eine Vorladung zu einem Gerichtstermin.
 
Ich vertrete sie bundesweit, also vor allen deutschen Gerichten. Und ich berate sie weltweit, wo immer sie leben.
 
Das Steuerstrafrecht ist eine schwierige Materie, allein mit Gerechtigkeitssinn und Bauchgefühl lässt sich da wenig ausrichten. Es geht dabei weniger um die Festsetzung der Steuer als darum, ob und wie ein Steuersünder bestraft werden soll.

Strafe auch für Anstifter und Gehilfen

Dumm ist, dass man auch verurteilt werden kann, wenn man selbst gar keine Steuern hinterzogen, sondern einem anderen Menschen geholfen hat, Steuern zu hinterziehen. 
 
Das muss einem anfangs gar nicht einmal so richtig bewusst sein. Oder hätten Sie gedacht, dass Sie wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung eines Handwerkers vor Gericht gestellt werden können, weil sie ihn bar bezahlt und die im Kostenvoranschlag angegebene Mehrwertsteuer "gespart“ haben?
 
Oder weil Sie als Dienstleister auf Wunsch Ihres Kunden eine andere Tätigkeit in Ihrer Rechnung angegeben haben als die, um die es eigentlich ging? ("Schreiben Sie die Rechnung bitte auf meine Firma“). 
 
Auch Rechtsanwälte und Steuerberater bleiben auf diese Weise nicht immer verschont. Auch sie müssen mit unnachsichtiger Strafverfolgung rechnen, wenn Sie durch ihr Verhalten dazu beitragen, dem Auftraggeber ungerechtfertigte Steuervorteile zu verschaffen. 
 
Obwohl sie alle davon nichts hatten, ihre Hilfsbereitschaft (daher „Beihilfe") uneigennützig erfolgt sein mag, strafrechtlich haften Sie wie der Täter selbst. 

Nun ja, Anstifter und Gehilfen dürfen mit einem "Rabatt" bei der Strafhöhe rechnen. Aber freuen Sie sich darüber nicht zu früh. Der gesetzliche Strafrahmen allein schon für einfache Fälle der Steuerhinterziehung reicht bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe, also "Knast". 

Davon ein paar Punkte runter würde Sie auch nicht besonders glücklich machen.  

Amtsbekannte Sachverhalte

Ein weit verbreiteter Irrglaube besteht scheinbar in der Annahme, Steuerfahnder und Finanzbeamte allgemein würden am Ende des Arbeitstages eingesammelt und irgendwo eingeschlossen, wo sie keinen Kontakt zur Außenwelt haben. Am nächsten Morgen würde man sie dort abholen und wieder an ihren Schreibtisch im Finanzamt setzen. 

 

Und das ein ganzes Berufsleben lang. Sprich: Ein Leben außerhalb der Gesellschaft, einsam und ohne das Wissen, wie es in der Welt zugeht. 

 

Nur so erkläre ich mir die Annahme einiger Steuersünder, Finanzbeamte wären durch die Bank dumm und hätten keine Ahnung vom richtigen Leben. Deshalb könne man ihnen alles Mögliche (und Unmögliche) erzählen, sie würden alles glauben.  

 

Das ist natürlich Unsinn. 

 

Finanzbeamte sind in aller Regel nicht nur sehr gut ausgebildet, sie nehmen natürlich auch am Leben teil und wissen, wie es dort zugeht. Sie haben Familie und - man glaubt es kaum - auch Freunde, sie gehen abends in Kneipen, sind im Sportverein und was auch immer. 

Daher wissen sie zum Beispiel auch, dass in bestimmten Branchen die Neigung zur Steuerhinterziehung mehr ausgebildet ist als in anderen. Überall wo Kunden keine Rechnung brauchen, weil sie damit eh nichts anfangen können (z.B. Friseure und Gastwirte), ist die Neigung zur Steuerhinterziehung nachvollziehbar größer als etwa bei einem Büroservice.

 

Häufig sind es gerade private Beobachtungen der Beamten, die ein Steuerstrafverfahren auslösen. So ist der Fall eines Steuerfahnders überliefert, der mit seinem Sohn in einem Fast Food - Restaurant saß und beiläufig beobachtete, wie sich Kunden am Schalter etwas zu essen kauften und es mitnahmen, während andere Gäste die Speisen am Tisch verzehrten. Bekanntlich wird Essen im Restaurant mit dem normalen Mehrwertsteuersatz belegt, während für mitgenommene Lebensmittel und Speisen der reduzierte Steuersatz gilt. Aus Neugier schaute sich der Beamte den am Nebentisch zurückgelassenen Kassenbon von Gästen an, die eben den Schnellimbiss verlassen hatten. Er wies den falschen - niedrigen - Steuersatz aus. Nun war der Jagdeifer des Fahnders geweckt und er sammelte weitere Kassenbons an den Tischen ein, überall fand er Bons mit dem niedrigen Steuersatz.

 

Aus dieser Beobachtung bei einem privaten Imbissbesuch entstand ein größeres Steuerstrafverfahren, das zu Durchsuchungen bei zahlreichen Gaststätten der betreffenden Kette führte, erhebliche Steuermehreinnahmen erbrachte und den Geschäftsführern nebst eingeweihten  Mitarbeitern zu empfindlichen Strafen verhalf.